Warum ich den Verein Redefluss Bonn liebe

Heinemannstraße 34, Bonn

Warum ich den Verein Redefluss Bonn liebe

Manche lieben es schnelle Autos zu fahren. Andere genießen es Ski zu fahren. Ich liebe es Ideen vor Publikum zu präsentieren. Vielleicht liegt es an den Ted-Talks, die mich immer wieder aufs Neue inspirieren oder es liegt an meiner Persönlichkeit – ganz genau kann ich es nicht sagen. Was ich jedoch mit Sicherheit sagen kann: Ich liebe es einfach und ja, ich genieße auch die Aufmerksamkeit, die mir nach einer gelungenen Rede zuteilwird.

Früher war ich vor den Präsentationen in der Schule immer furchtbar nervös – nie traute ich mich zu experimentieren, geschweige denn mein Herz in eine Rede zu legen. Zu groß war die Angst von meinen Mitschülern verurteilt zu werden, zu groß die Angst zu versagen. Wenn ich den Redefluss Bonn nicht gefunden hätte, würde ich noch immer in dieser Situation feststecken. Und wahrscheinlich hätte ich meine Leidenschaft erst sehr viel später gefunden.

Warum ich das mit einer solchen Sicherheit sagen kann? Beim Redefluss Bonn wird ein Wert groß geschrieben, der es mir ermöglicht hat zu experimentieren: Wertschätzung. Eine Rede mag noch so schlecht sein, es wird doch immer nach dem guten Kern gesucht. Anstatt einen Redner zu verurteilen und sich dadurch als Bewerter überlegen zu fühlen, wird nach möglichen Potentialen gesucht. Für mich einer der schönsten Momente beim Redefluss Bonn, war es die Worte zu hören: „Ich sehe etwas in dir.“

Vielleicht fragt sich der ein oder andere Leser jetzt, ob ich talentiert oder besonders gut im „Public Speaking“ sei. Die Antwort, die ich dir geben möchte, lieber Leser, lautet: „Noch nicht.“ In Wirklichkeit bin ich ein Amateur, der weder besonders talentiert ist, noch seine Zuhörer mit Tränen in den Augen von den Stühlen reißt. Denn jede Fähigkeit benötigt Zeit, Übung und Geduld. Es immer wieder probieren, von vorne anfangen und den Kurs mit jedem Versuch ein klein wenig korrigieren – so eignet man sich eine echte Fähigkeit an.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir in einer Welt leben in der nur Perfektion akzeptiert wird. Wer Leistung erbringt, wird akzeptiert. Wer fehlschlägt, muss sich in die Ecke stellen und schämen. Wie soll es in einer solchen Welt möglich sein, eine echte Fähigkeit zu entwickeln? Wie sollen wir etwas meistern können, wenn es nicht erlaubt ist sich zu blamieren und die entscheidenden Fehler machen zu dürfen?

Hier kommt der Redefluss Bonn ins Spiel. Durch die gegebene Wertschätzung entsteht ein geschützter Raum: Es wird möglich Fehler zu machen, ohne dafür verurteilt zu werden. Meine Rede ist furchtbar, ich blamiere mich und ich komme vor Lampenfieber fast um? Kein Problem – ich bekomme Tipps, wie ich mich weiterentwickeln kann und mir wird Wertschätzung entgegengebracht. Dafür, dass ich mich auf die Bühne getraut habe.

Der ein oder andere mag sagen, dass das oberflächlich sei und nur durch harte, konstruktive Kritik eine echte Entwicklung möglich sei. Darüber habe ich lange nachgedacht – mit dem Ergebnis, dass ich das nicht glaube. Meiner Meinung nach zerstört Kritik mehr als dass sie aufbaut. Warum ich das glaube? Die besten Ergebnisse erzielen wir, wenn wir ganz in diesem Moment sind. Je weniger wir über etwas nachdenken, desto spontaner und besser wird es. Ich liebe das Gefühl des „Flows“ – wenn alles wie von alleine funktioniert und ich mir keine Gedanken mehr mache, ob ich gut genug bin oder nicht. Ich denke, dass Kritik genau diesem Prozess des „Flows“ schädlich ist. Wir hören Kritik und plötzlich fragen wir uns, ob die andere Person vielleicht recht hat? Ob wir in Wirklichkeit gar nicht gut genug sind? Und sobald wir anfangen über uns selbst nachzudenken, scheint nichts mehr zu funktionieren – alles erscheint schwerer als sonst. Die Magie ist verflogen. Deshalb glaube ich, dass harte konstruktive Kritik Entwicklung sogar im Weg steht und sie verhindert.

Aus den genannten Gründen bin ich froh, dass sich der Redefluss Bonn für Wertschätzung als seinen zentralen Wert entschieden hat. Ohne die Wertschätzung, die ich erhalten habe, hätte ich mich nie getraut auf der Bühne zu experimentieren. Ich hätte mich nie getraut auf der Bühne Fehler zu machen. Ich hätte mich nie getraut auf der Bühne ich selbst zu sein. Und genau deshalb liebe ich den Redefluss Bonn so sehr. Auf jeden Clubabend freue ich mich so wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal Weihnachtsgeschenke auspacken darf.

Vielen Dank, dass es den Redefluss Bonn gibt! Und danke an alle Mitglieder und Gäste, die den Redefluss Bonn erst zu dem machen, was ich so an ihm liebe.  

Marian Bansmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.